Heya,
mein Bericht über das Exchange programm hier an der UTS ins nun fast fertig. Hier eine vorabversion. Falls Fragen und Anmerkungen, bitte bescheid sagen –>Comment!
Erfahrungsbericht von der UTS Australien
Der erste Teil meines Auslandsjahres an der University of Technology (UTS) ist nun zu Ende und ich freue mich nun etwas über meine Erfahrung und Erlebnisse schreiben zu dürfen. Ich hoffe ich kann auch ein paar Tipps weitergeben, da manche Dinge doch etwas anders als in Deutschland funktionieren.
Insgesamt kann ich nur raten ein Auslandsemester an der UTS zu machen, da sie meiner Meinung nach vor allem in den Undergraduate Kursen eine exzellente, praxisorientierte und moderne Lehre bietet. Die Studenten sind gerade im IT Bereich sehr professionell, motiviert und bringen Erfahrung von ihren Work Placements in der Industrie (meist bei großen Partnerunternehmen wie Accenture, IBM, Westpac, usw…) in Gruppenarbeit mit ein.
Die UTS hat auch einen sehr hohen Anteil an internationalen Studenten, hauptsächlich Asiaten und es ist unheimlich spannend den Unterschied zwischen den Kulturen z.B. bei der Teamarbeit mitzubekommen.
Sydney an sich, darauf brauch ich gar nicht näher einzugehen. Es ist eine der lebenswertesten Großstädte weltweit. Man hat von Strand, Parks, Meer, Hafen, Kultur und Nightlife einfach alles und auch die Leute sind sehr freundlich und zuvorkommend. Ich kann es also nur empfehlen, diese Erfahrung mit dem Studieren hier zu verbinden.
Nun kurz zu mir, damit ihr einen besseren Einblick gewinnen könnt. Ich bin 23 Jahre alt und im 6 Semester Magister Informationswissenschaften/Wirtschaftsinformatik mit den Schwerpunkten Informationssysteme/Electronic Business. Australien war, dank des hervorragenden Austauschprogrammes mit der Uni Regensburg schon immer mein Wunschtraum, da ich von einem Freund, der auch hier studiert hat soviel Positives gehört habe.
Bevor ich nach Sydney gegangen bin habe ich, da sich die Semesterzeiten hier (Spring Ende Juli- Dezember, Autum Ende Februar-Juni) mit den deutschen Überschneiden ein Urlaubssemester genommen und Vollzeit bei SiemensVDO heute Continental in Regensburg gearbeitet. Dies war auch gut so, da die Lebenshaltungskosten hier doch höher sind als in Deutschland und ich so ein paar Ersparnisse aufbauen konnte.
Lehrangebot, Kurswahl, Kursinhalte (kurze Beschreibung und Wertung)
Generell ist zu sagen, dass die UTS ein großes Angebot an Fächern, insbesondere im Business und Information Technology (IT)- Bereich zu bieten hat. Vor allem die IT Kurse sind sehr praxisnah und up to date. Man hat in IT mit Building 10 (ehemaliges Headquader der Olympischen Spiele 2000) – dem modernsten Gebäude der UTS, auch eine super Umgebung mit Computer labs, Gruppenarbeitsraumen und sogar 24 Stunden Zugang. Ein weiterer Standortplus ist, dass die UTS direkt in der Innenstadt liegt. Man kann also sehr schnell mit dem Zug zur Uni kommen oder auch in Paddys Market, Chinatown oder Darling Harbour zum Essen, Shoppen oder relaxen gehen.
Ich habe an der UTS hauptsächlich IT Kurse absolviert. Generell zu den Kursen ist zu sagen, dass es an der UTS für jeden Kurs ein Beschreibung im UTS:Handbook (Vorlesungsverzeichnis) gibt und meist in der ersten Woche eine Subject Outline mit den behandelten Themen und assignments ausgeteilt wird. Diese geben die genauen Themen und Anforderungen wieder und helfen ungemein bei der Kurswahl.
Die Outlines für IT Subjects gibt es auch zum download unter start:IT – man kann sich so gut informieren, für Kurse entscheiden und diese zwecks Einbringens mit den Zuständigen in Regensburg besprechen.
Des Weiteren ist zu erwähnen, dass alle Postgrad Subjects meist abends zwischen 6 und 9 stattfinden, da viele Berufstätige teilnehmen, was vor allem Freitags manchmal sehr frustrierend sein kann.
Autum Semester (Juli – November)
- Advanced Internet Technologies (AWI 4 Allgemeine Wirtschaftinformatik 4- Praxis des Programmierens). Undergraduate
Mein zeitaufwendigster aber auch bester Kurs. Hier lernten wir viel über J2EE/Webserver/JSP, Security, MVC Modell, Webservices, SOA. Vor allem die Programmierassignments haben mich und vielen Kommilitonen mehrere Nächte in den Computerlabs gekostet. Jedoch kann ich sagen, dass diese Vorlesung didaktisch einfach super war und ich sehr viel dabei gelernt habe. Das Hautpassignment war hier die Entwicklung eines Online Videoverleihs mit den dazugehörigen Business Prozessen.
- Business Processes and IT Strategy (für Bankinfo 4- Strategische Führung und IT oder Business Engineering IV -Prozesse und Prozessmanagement) Undergraduate
Kurs war sehr theoretisch und sehr viel Lesearbeit. Auch die Assignments, vor allem sprachlich, hatten es in sich. Dennoch kann man gute Noten erreichen und macht viel Gruppenarbeit. Viel Arbeit bereiteten der 300 seitige Reader und die Tatsache, dass man für jede Woche vorbereitet sein musste, da in der Übung jeweils eine Gruppe im Losverfahren den zu lesenden Artikel präsentieren und diskutieren musste.
- Software Qualtiy Management (SE1 – Software Engineering 1) Postgraduate
Ein Kurs auf dem Masterbereich – der vor allem bei dem Research Teil sehr viel Zeit erforderte ich aber vor allem wegen der Gruppenarbeit empfehlen kann. Hier ist es mir erstmals so richtig bewusst geworden, dass es selbst bei mir so bekannten Begriffen wie Qualität entscheidende Differenzen zwischen den einzelnen Kulturräumen gibt.
- Advanced Database (IS 1 – Informtionssysteme 1) Postgraduate
Hier ging es hauptsächlich um Datawarehouse Architekturen, Multidimensionale Modelle, Microsoft SQL Server und Analysis Toolkit. Auch hier gab es Gruppenarbeit und eine Design Assignment. Im Großen und Ganzen war diese Vorlesung recht gut, vor allem der praktische Teil mit MS SQL Server und den dazugehörigen Tool. Leider war die Vorlesung etwas zu oberflächlich und viele Themen wie Business Intelligence/Operational Intelligence oder neuere Technologien wie Aktive oder Real-Time Datawarehouses wurden nicht behandelt.
Spring Semester (Feb- Juni). Hier kann ich nur ersten Erfahrungen liefern.
- IT Research Preparation Postgraduate
Hauptziel des Kurses ist es akademisches Schreiben und den Research Prozess kennenzulernen. Kurs ist manchmal sehr allgemein (eher wie ein Sprachkurs) und anspruchslos, aber gut um etwas mehr über wissenschaftliches Arbeiten zu lernen.
- Business Intelligence (Informationssysteme) Postgraduate
Eigentlich eher ein Knowledge Management Kurs der eher an der Oberfläche kratzt statt in die Tiefe zu gehen.
- Process Integration (Business Engineering) Postgraduate
Hier geht es hauptsächlich um Prozessdesign und unterschiedliche Diagramm und Modellierung Techniken. Die Assignments sind relativ frei, so dass man eigene Schwerpunkte setzen kann.
- Project Management (freie Kredits) Postgraduate
Sehr guter Kurs mit vielen Workshops zu Vorgehensweisen, Methoden und Tools des Projekt Managements. Herausforderung ist hier, dass die Übung aus Workshops besteht, die jeweils eine Gruppe moderiert.
Im Großen und Ganzen war das Niveau der Kurse recht niedrig, da ich in Regensburg schon viele Vorkenntnisse erwerben konnte und die Kurse sind meistens etwas oberflächlich. Sehr gut ist jedoch, das viele praktische Elemente beinhaltet sind, vor allem in den Bachelor Level Kursen. Zum Arbeitsaufwand ist zu sagen, dass im Undergraduate Subjects sehr viel Workload und Gruppenarbeit anfällt. Man muss erheblich mehr im Semester tun als in Deutschland. In Postgrad subjects ist vor allem das Schreiben des Management Reports oder dem eher akademischen Literature Review sehr zeitaufwendig.
Unterkunft (Wohnheim, Preis, Qualität, Tips)
Eine Unterkunft zu finden ist ein riesen Problem in Sydney.
- Es ist wahnsinnig teuer hier im Vergleich zu Regensburg.
Ich habe in meiner ersten WG in Double Bay AUD 185 all inclusive pro Woche und in meiner jetzigen WG in Redfern AUD 190 für ein mein eigenes Zimmer bezahlt.
- Die Qualität der Wohnungen ist deutlich schlechter als in Deutschland.
Es gibt viele sog. Room sharing Angebote mit denen man, wenn man dem room sharen nicht abgeneigt ist, Geld sparen kann.
- Internet ist immer noch sehr teuer, volumenlimitiert und sehr langsam hier. Vor allem wenn man keinen Vertrag eingehen möchte empfiehlt sich momentan nur Unwired.com.au, was aber auch kostspielig ist.
- Gerade zu Semesterbeginn suchen unzählige Studenten ein Zimmer, deswegen sollte man möglichst vielleicht aus Deutschland aus schon Termine zu Wohnungsbesichtigungen ausmachen.
Wohnheime sind im Großen und Ganzem sehr zu empfehlen – hierzu muss man sich sehr früh bewerben und triff wahrscheinlich auf viele Internationale Studenten.
- Als gut gelegene Studentenviertel direkt in der Stadt würd ich Folgendes empfehlen: Utlimo, Pyrmont, Newtown, Glebe, Redfern, Chippendale, Surry Hills.
- Die besten Websites zum Thema Wohnung sind
www.gumtree.com.au (auch für gebrauchte Möbel super zu empfehlen)
www.domain.com.au
www.housing.uts.edu.au (hier auch die Wohnheime)
Vor allem shared Rooms und auch WG- Angebote findet man an dem Blackboard im UTS Tower Building im 4. Stock/ Building 10 oder auch an den Ampeln rund um Uni und Innenstadt.
- Eigenheiten Mietmarkt in Australien:
- meistens ist die Mietperiode/ Bezahlung wochenweise
- wenn Strom und Wasser in der Miete enthalten sind heißt das bills included
- Kaution (bond) von 4 Wochenmieten sind üblich und muss von dem Vermieter (landlord) an einen staatlichen Treuhänder übergeben werden. Somit versinkt das Geld nicht in den Taschen des Landlords und man kann seinen Anspruch gelten machen.
- generell empfehle ich, sich die Gesetzmäßigkeiten des Mietgeschäftes anzuschauen. Hier gibt es ein Renting Guide, der gesetzlich verbindlich ist für Vermieter in NSW. Dennoch werden diese Regeln oft umgangen, meistens zu Ungunsten des Mieters. Aber wie so oft, ein bisschen Pragmatismus schadet hier nie.
- Wenn ihr Probleme mit dem Mietvertrag haben solltet (ist mir selbst auch passiert) kann man sich an der UTS (law counselor) kostenlos rechtlich beraten lassen.
- Bewahrt die Nerven. Jeder hat bisher noch was gefunden.
Formalitäten (Einschreibung, Versicherung, Papiere)
Die Einschreibung erfolgt online und kann die Fächer können bis zu 2 Wochen nach Vorlesungsbegin geändert werden oder bis 4 Wochen nach Vorlesungsbeginn wieder abgemelded werden. Falls man das nicht tut, kann man sich nicht mehr von der Prüfung abmelden und kassiert failed, ein Durchfallen.
- Work Visa kostet rund 90AUD, beantragen ist erst in der 1. Woche des Semesters möglich.
Damit kann man bis 20 Stunden in der Woche arbeiten.
Zudem braucht man eine Steuernummer (Taxfilenumber) TFN die man sich hier beantragen.
- Es lohn sich auch nach Postgrad Kursen zu fragen, da man meistens dafür auch zugelassen werden kann.
- Versicherung: OSHC ist Plicht, empfehlenswert ist sicherlich auch noch eine private Zusatzversicherung abzuschließen. Ich habe glücklicherweise keinen Arzt aufsuchen müssen, bisher zumindest.
- Internationaler Führerschein ist auf jeden Fall notwendig wenn man Auto fahren möchte. Anderenfalls riskiert man eine hohe Geldstrafe.
- Orientation Week ist ein muss, nicht wegen dem akademischen Teil. Hier lernt man die meisten Leute kennen und es gibt sehr viele BBQ, Einführungsveranstaltungen und Partys. Super ist vor allem der Pub Crawl (Kneipentour) die auch an der bayerischen Löwengrube mit zünftigen bayrischen Bier uns Musik vorbeiführt. Eigentlich sogar das Highlight der Tour.
- Geld: Je nach Lebensstil muss man mit deutlich mehr Geldbedarf als in Deutschland rechnen. Ich komme so auf ungefähr 1200€ pro Monat, muss aber auch sagen, dass ich es wirklich genossen habe hier.
- Transport: Als Exchange Student hat man den großen Vorteil einer travel concession, d.h. man muss nur die Hälfte für Bus und Bahn bezahlen.
Da die UTS 5 Minuten von Central Station (Hauptbahnhof) entfern ist, ist die Uni wirklich gut mit der Bahn und anderen Verkehrsmitteln zu erreichen. Fall man sehr außerhalb wohnt und zudem auf Busfahren angewiesen ist kann die Fahrt in den Stadtkern jedoch gerade zur Rush Hour zu einen Tortur werden.
- Flug: Hier kann ich empfehlen sehr früh zu buchen am besten ist das Reisebüro an der Uni. Ich bin mit Emirates geflogen, bin sehr zufrieden damit und konnte auch noch Zwischenstopps auf dem Hinflug in Bangkok und auf dem Rückflug in Singapur einbauen. Zudem bietet sich ein Open Return Ticket an, das ein Jahr gültig ist und mit dem man den Rückflug falls man was wahrscheinlich ist verlänger will, gegen eine geringe Gebühr (bei Emirates ca. 50€) verlegen kann.
Sonstiges: Wertung, Kritik, Schwierigkeiten, Tips
Zusammenfassen kann ich sagen das mein Aufenthalt in Sydney sicher eines meine besten Jahre soweit ist.
Man kommt hier viel in Kontakt mit Studenten anderer Kulturen und das Leben in Sydney ist auch fantastisch. Die UTS ist auch, gerade weil die Studenten international sind sehr service freundlich. Man findet immer einen Ansprechpartner und Dinge werden sehr schnell erledigt. Zudem werden auch die Lehrenden eingespannt um den Studenten ein reibungsloses Studieren zu ermöglich. So bringen die Subject Outlines, die nur 4 Wochen andauernde Prüfungsphase, ein festgelegter Korrekturzeit einiges an Planbarkeit ins Studium. Die praktische Orientierung und viel Teamarbeit gehören zu den Highlights. Auch der Ruf der Uni ist exzellent, so arbeiten viele nebenher, es gibt viele praktische Firmenworkshops und auch der Karriere Service hilft bei der (Neben) Jobwahl. Das vielfältige Clubangebot von Studentenvereinigungen wie der DeUTSch Club, die european Society, Saladbowl, Outdoor Activities Club, UTS Business Connection und viele mehr http://www.utsunion.uts.edu.au/clubs/ bietet Abwechslung zum normalen Studieren. Auch das Tandem Programm finde ich herausragend. Als eine Art Buddy Programm bekommen internationale Studenten einen erfahrenen lokalen Mentor.
Ich hatte das große Glück Selina als Buddy zu haben mit der ich 2 Kurse habe und mir somit im Unileben mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte. Auch brachte sie mir die chinesische Kultur mit HotPot und Karaoke näher und wir hatte richtig gute Diskussionen über die neusten Ereignisse rund die Olympischen Spiele und sie ist meine beste Freundin hier. Danke für all dies!
Beim wöchentlichen Tandem Kaffee und zahlreichen anderen Events wie Ausflüge kommt man schnell mit anderen in Kontakt und erhält auch Hilfe bei speziellen Problemen mit der Uni oder den Kursen.
Zudem ist es auch einfach möglich, falls man nur ein halbes Jahr für das Austauschprogramm genommen wird, „kostenlos“ um ein weiteres Semester zu verlängern, was ich in meinem Fall auch getan habe. Hier redet man einfach mit dem Exchange Officer und der schaut dann ob genug freie Plätze vorhanden sind, was in meinem Fall und auch einigen anderen Studenten aus Regensburg glücklicherweise so war.